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Schule die Zweite: Der Wechsel in die 5. Klasse
Von Amelie Fritsch (10 Jahre, im
Schuljahr 2004/ 05 Klasse 4a, jetzt Beethovengymnasium)
Hallo liebe Viertklässler,
für euch sind nun die letzten Monate an der Herseler-Werth-Schule angebrochen. Im nächsten Jahr werdet ihr an eine neue, weiterführende Schule wechseln. Ihr
steht jetzt also – wie ich im letzten Jahr – vor der schwierigen Frage welche Schule für euch die richtige ist. Hierzu bieten alle Schulen einen „Tag der offenen
Tür“ an, den ihr hoffentlich ausgiebig genutzt habt, da ihr dort einen guten ersten Eindruck von der jeweiligen Schule bekommt. Die endgültige Entscheidung bleibt aber auch
danach noch schwierig. Sie muss jeder nach seinen persönlichen Vorstellungen (zusammen mit den Eltern) treffen.
Ich möchte euch heute kurz berichten, was nach dem Wechsel in die 5. Klasse so alles auf euch zukommt und was ich besonders wichtig finde. Zunächst einmal
müssen sich viele von euch an das frühere Aufstehen und das Bahn-/Busfahren gewöhnen. Hilfreich ist dabei das Schüler-Ticket, das den täglichen Gang zum Fahrkartenautomaten
erspart und von jeder Schule angeboten wird. Gleichzeitig erhält man von der Schule noch einen Schülerausweis. Neu sind natürlich die Mitschüler, die Lehrer, die Klassenräume und
einige Fächer. Doch keine Angst, in der ersten Woche werdet ihr gemeinsam die Schule kennen lernen und euch gegenseitig vorstellen. Besonders in dieser Zeit, aber natürlich auch
danach solltet ihr eurer neuen Klassenlehrerin alle Fragen stellen, die euch interessieren und Probleme ansprechen, die ihr in der neuen Schule habt. Zu uns kamen in den ersten
Tagen zusätzlich noch zwei Schüler aus der 10. Klasse, die wir fragen konnten und die uns die Schule zeigten. Seine neuen Mitschüler lernt man sehr schnell beim Spielen und
Quatschen in den Pausen oder bei anderen gemeinsamen Aktivitäten/Treffen kennen.
Im Unterricht selbst müsst ihr euch sofort mit sehr viel neuen Begriffen, Regeln und Inhalten beschäftigen. Dies gilt nicht nur für neu hinzu gekommene Fächer
wie zum Beispiel Biologie oder Erdkunde, sondern auch für die altbekannten Fächer wie Mathe, Deutsch, Englisch oder Musik. Neu ist insbesondere, dass man im
Englischunterricht Texte und Vokabeln nicht mehr nur hört und spricht, sondern sie auch schreiben muss. Damit hatten die meisten von uns erst einmal ganz schön Probleme. Nach ein
paar kleineren Vokabeltests klappt es aber inzwischen ganz gut, die englischen Wörter (richtig!) zu schreiben.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp zur Vorbereitung: In den nächsten Sommerferien könnt ihr alle Bücher, Hefte und Zettel aus der Grundschulzeit beruhigt
aussortieren. Ihr bekommt für jedes Fach neue Bücher und Arbeitsmaterialien. Zusätzlich müsst ihr euch natürlich noch Hefte und sonstige Materialien besorgen. Fragt eure neue
Schule nach einer entsprechenden Liste.
Eine schöne Zeit noch in der Herseler-Werth-Schule und viel Spaß in der neuen Schule!
(verfasst im Dezember 2005)
Reif für die Insel!
Die Auswahl der weiterführenden Schule oder Die Auswahl durch die weiterführende Schule
Ein Stimmungsbild einer anstrengenden Zeit, zusammengefasste Erfahrungen aus überwiegend zweiter Hand, nicht immer ganz ernst gemeint. von Katarina Lerch
Sind Sie in letzter Zeit ein wenig nervös? Wachen Sie nachts schweißgebadet auf? Und reden Sie häufig über dasselbe Thema? Dann geht Ihr Kind sicher in die
vierte Klasse!
Ja, wir Eltern haben es nicht leicht dieser Tage. Ist doch die Auswahl der weiterführenden Schule so wichtig für die Zukunft unseres Kindes. Natürlich wollen
wir alles richtig machen. Wir hören uns um, wir lesen die Broschüren aller Schulen durch, wir nerven die Lehrerin wegen der Schulformempfehlung und so langsam fangen wir an
durchzudrehen.
Dabei hat es noch nicht einmal angefangen! Vor uns liegen noch zahlreiche Tage der offenen Tür, die meist alle an ein und demselben Samstag stattfinden. Dann
die Infoabende für zukünftige Fünftklässlereltern; hier beginnt meist schon das Gerangel um den Termin fürs Anmeldegespräch: ist früher oder später günstig? Morgens oder abends?
Bei welchem Gesprächspartner?
Wieder eine schlaflose Nacht, oje, wie sollen wir das bis März durchhalten? Egal, ab jetzt haben wir für jede Woche ein Anmeldegespräch vereinbart. Mehr
Schulen gesprochen zu haben, das erhöht sicher die Chancen, außerdem bekommt das Kind Routine.
Es ist nämlich wichtig, das Kind gut auf sein erstes Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Es muss in den 10 Minuten die Werke der klassischen Literatur, die es
gelesen hat, herunterbeten können. Die Sportarten, in denen es Preise errungen hat, sollte es aufzählen und natürlich seine musikalischen Höchstleistungen so eindrucksvoll
schildern können, dass jeder Schulleiter es gleich für das Schulorchester haben möchte. Nervös darf es aber auch nicht sein, sonst klappt vielleicht die Kopfrechenübung nicht.
Ganz wichtig ist auch, dass es glaubwürdig erklären kann, warum nur diese und keine andere Schule für es in Frage kommt, damit nicht der Verdacht entsteht, man hätte sich noch
woanders beworben.
Leider sollen wir Eltern uns ja bei diesem ersten Teil des Gesprächs meist heraushalten, sonst wäre alles viel einfacher. So bleibt uns nur, betreten zu
schweigen, wenn das liebe Kind alles vergisst, was es eingebläut bekommen hat und seine Zukunft ruiniert, z.B. indem es auf die Frage nach seinem Vereinsengagement erzählt, es sei
Mitglied im Videoclub, oder dass es nie am Computer arbeite, da dieser schon seit zwei Jahren kaputt sei, oder dass es gar lieber auf die andere Schule möchte, wo der Bruder ist!
Versuchen Sie trotzdem freundlich zu lächeln, liebe Eltern, denn leider bringen die gesprächsführenden Pädagogen nicht immer den wünschenswerten Humor oder das
Gespür für den Hintergund der Antwort auf. Zehn Minuten sind auch sehr kurz und man ist vielleicht schon der 20. Bewerber...
Der 2. Teil dieses Gesprächs ist aber noch viel schwieriger, denn jetzt kommen die Eltern dran. Unser Ziel ist es ja, von der Schule eine möglichst eindeutige
Zu- oder Absage zu bekommen, damit wir wissen, ob es sich lohnt, bei dieser Schule den Anmeldeschein, den wir mit dem Halbjahreszeugnis bekommen werden, abzugeben. Ja, liebe
Eltern, Sie haben nämlich nur 4 Wochen Zeit, eine Schule zu finden, und Sie haben nur einen Schein! Manche Schulen brauchen zwei Wochen, bevor sie sich zu einer Absage durchringen
können. Deshalb ist das Anmeldegespräch so wichtig und gleichzeitig so schwierig. Das Ziel der Schule ist nämlich entgegengesetzt zu dem der Eltern: sie wollen möglichst viele
„gute“ Schüler anwerben, ohne aber irgendwelche Garantien zu geben. Da werden auch mal Versprechen gegeben, an die man sich hinterher nicht mehr erinnern kann. Da wird auch
eine rasche Antwort zugesagt, die dann nachher zwei Wochen dauert. Es haben auch schon Familien die Frist der Schule der „zweiten Wahl“ verpasst, weil die erste so lange
gebraucht hat, um abzusagen. Nun ist das Kind eben auf der Schule, die eigentlich Platz drei auf der Liste gewesen war. Tja, so kann’s gehen...
Langsam nähern wir uns in diesem Rennen dem Endspurt. Wir beginnen, die Gespräche auszuwerten: was könnte es bedeuten, dass man „gute Chancen“ habe und
haben sie sich nicht bei Schulfreund XY ganz anders ausgedrückt? Wir sehen, dass unsere Entscheidung folgenreich, aber der Handlungsspielraum eher gering ist und dass wir
viele Dinge nicht einschätzen können: eine Schule gefällt uns besser, aber die Chancen scheinen schlechter zu stehen. Bei der anderen kommen wir wahrscheinlich rein, aber da liegt
dem Kind möglicherweise das Profil nicht und dann gibt es noch die Verkehrsverbindungen und die Stundenpläne und die Vorlieben der Schulfreunde des Kindes zu bedenken... Und am
Ende hat das Kind auch noch eine eigene Meinung...
Erfahrungsgemäß wird in dieser Phase nur über das eine Thema gesprochen. Es gibt Familienkräche, Streit in der Klasse und alle sind mit den Nerven am Ende. Das
Ganze steigert sich noch ein bisschen, wenn die letzte Phase beginnt: nachdem die Anmeldungen abgegeben sind, beginnt das Warten. Wo zeitnah entschieden werden sollte, wird man
von Tag zu Tag vertröstet. Familie X hat schon die Zusage, warum wir nicht?! Und jetzt zeigt sich wirklich, wer die besten Nerven hat: nämlich der, der den richtigen Zeitpunkt
findet, um von der ersten Schule eine Entscheidung zu verlangen oder anderenfalls die Unterlagen zur zweiten Schule zu tragen. Nehmen Sie sich am besten schon einmal Urlaub!
Wird das Kind bei der zweiten Schule angenommen, so sind meist alle doch ganz zufrieden. Wo das nicht klappt, entsteht ganz schön viel Druck für Eltern, aber besonders auch für
die Kinder.
Und hier kommen wir zur Hauptaufgabe der Eltern in dieser anstrengenden und aufregenden Zeit. Das Auswahlverfahren ist schülerunfreundlich eingerichtet. Daran
können wir im Moment nichts ändern. Es nützt nichts, sich aufzuregen. Liebe Eltern, versuchen Sie, selbst ruhig zu bleiben und den Kindern die Anspannung zu nehmen. Denken Sie
daran: auf allen Schulen kann man etwas lernen, alle haben irgendetwas, das interessant und besonders ist und in vielen Fällen gefällt hinterher die andere Schule viel besser als
die erste. Im Notfall kann man aber auch später immer noch einmal wechseln.
Also: machen Sie Atemübungen, Yoga oder gehen Sie laufen und nehmen Sie es, wie es kommt. Locker bleiben ist die erste Elternpflicht!
(verfasst im November 2007)
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