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Leseförderung - wozu und wie?

Wum ! Bäng ! Ächz ! Von solchen und anderen Tönen....
- Eine kritische Bestandsaufnahme zum Thema „Comics”

Die sieben goldenen Regeln des Vorlesens

Die Bücherei - ein wichtiger außerschulischer Lernort

Die Katholische Öffentliche Bücherei in Hersel (KÖB)

 

 

 

Leseförderung - wozu und wie?
(A. Retzke)

“Lesen ist freiwillig ! Kein Mensch soll dazu gezwungen, aber jedes Kind soll zum Lesen ermuntert und ermutigt werden. Bücher seien nicht lebensnotwendig, denken manche. Aber wer nie mit Büchern Freundschaft geschlossen und nie erfahren hat, wie schön, wie spannend, wie abenteuerlich es ist, mit ihnen auf Entdeckungsreisen zu gehen und sich in andere weite Welten tragen zu lassen, verpasst in seinem Leben eine Menge. 26 Buchstaben sind die ganze Welt! Wer Spaß am Lesen hat, kennt niemals Langeweile... ‘’ (U. Meier-Hirschi, Bücher machen Kinder stark).

Gut und schön, mögen so manche Eltern denken, die dergleichen hören. Leider wird aber kaum jemand als Leser geboren und viele haben Sinn und Zweck des Lesenlernens erkannt, bemühen sich jedoch vergebens, in ihren Kindern - wenn schon nicht “Leseratten” und “Bücherwürmer” aus ihnen zu machen - doch wenigstens ein gewisses Interesse für die Welt des Buches und der Geschichten zu wecken, ein nicht immer ganz leichtes Unterfangen. Gibt es doch heute Medien genug, die den schnellen und einfacheren “Konsum” von Geschichten und Informationen liefern: Fernsehen, Tonkassetten, CDs und Computer. Wie soll ich da meinem Kind begreiflich machen, dass Lesen mehr bringt.....? Oder ....wann habe ich eigentlich selbst zuletzt so richtig „geschmökert”?

Und damit sind wir eigentlich oft schon bei einer der entscheidensten Fragen, nämlich danach, ob wir als Eltern überhaupt selbst noch in der Lage sind, uns die Mühe zu machen bzw. Gefallen daran zu finden, in Bibliotheken, Buchhandlungen oder einfach mal wieder zuhause im Bücherregal zu stöbern und es uns in der Sofaecke bei einer Tasse Kaffee und einem Buch gemütlich zu machen.

„Altmodisch” finden die einen, „keine Zeit” stöhnen die anderen, „ich schlafe eh’ jedesmal bei Seite 5 schon ein...” begründen die nächsten ihre Abwendung von allem, was da Schwarz auf Weiß zu lesen ist. Höchstens mal die Tageszeitung oder den Quelle-Katalog, mehr schafft man als gestresstes Elternteil und Berufstätiger nicht. Wann sehen uns unsere Kinder als Lese-Vorbilder ?

Wir vergessen - beim schnellen Druck auf die Taste anderer Medien -, dass wir uns und unseren Kindern hiermit in den häufigsten Fällen ein Programm liefern, das zufällig, häufig überflüssig, wenn nicht gerade ungeeignet, manchmal sogar gefährdend ist. Wäre es nicht sinnvoller, je nach Interessenlage und Wissensstand unserer Kinder das geeignete Programm über Bücher heranzuschaffen ?

Kinder brauchen Bücher, sie gehören - neben anderem - zur geistigen Nahrung des Kindes.

Sie helfen mit, seine Welt zu erweitern, Geheimnisse zu entdecken, Rätsel zu lösen, Innenleben und Weltbild zu formen. Das Kind braucht Bücher, wie es Schuhe braucht: nicht viele auf einmal, aber sorgfältig ausgewählte. Bücher - angefangen beim Bilderbuch - können hilfreiche, ermutigende und tröstende Begleiter durch die Kindheit sein. Für ganz bestimmte Lebenssituationen geeignete Bücher helfen dem Kind, seine Ängste und Krisen zu bewältigen. Sie beflügeln die Phantasie, sie vermitteln Lesespaß, Unterhaltung und Wissen. Lesen ist auch eine Möglichkeit, andere Menschen und andere Welten besser zu verstehen und zu erkennen, dass es nicht nur eine Ansicht der Dinge gibt, sondern verschiedene Denkweisen und Auffassungen. Sich lesend auseinander zu setzen, kann ein Weg zu mehr Toleranz, zu Offenheit und Menschlichkeit sein.

Bücher machen Kinder stark, denn sie tragen wesentlich zur Entwicklung des selbständigen Denkens, der Kritikfähigkeit und der Kreativität bei - Fähigkeiten, die Menschen brauchen, um all die Probleme und Fragen, die auf sie zukommen, lösen zu können.

Bücher sollen aber den Kindern auch Freude, Lust und Spaß bereiten - ganz ohne erzieherische Hintergedanken.

Was also kann ich tun, wenn mein Kind trotz all dieser Begründungen lieber zur Fernbedienung als zum Märchenbuch greift?

Hier einige Tipps aus Expertenhand (frei nach U. Meier-Hirschi, Bücher machen Kinder stark, S. 55):

  • Nehmen Sie sich genügend Zeit, wenn Sie in einer Buchhandlung Kinderbücher auswählen. Das große und vielseitige Angebot hält Bücher bereit, die auf die verschiedensten Lesewünsche, Interessen, Anliegen und Bedürfnisse der Kinder eingehen. Suchen Sie das Buch nicht vorrangig nach Ihrem Geschmack aus, sondern: Halten Sie sich das Kind vor Augen, welchem Sie das Buch schenken wollen. Passen das Kind und das Buch zusammen? In welcher Phase befindet sich das Kind derzeit, auf welche Bereiche spricht es derzeit besonders an? Sind es vielleicht spannende Abenteuergeschichten, stellt es viele Fragen zur menschlichen Entwicklung, ist es fasziniert von technischen Dingen oder Geschehnissen in der realen Welt oder begeistert es sich für phantastische Dinge usw. ? Auch das Alter allein ist nicht unbedingt maßgebender Richtwert für das geeignete Buch!
  • Haben Sie mehr Mut auch zum ungewöhnlichen Kinderbuch, das vielleicht sogar aus dem Rahmen fällt! Bleiben Sie nicht im Herkömmlichen, Vertrauten aus der eigenen Kindheit stecken! Die Zeiten haben sich geändert. Auch der Geschmack und die Sichtweise der Kinder von heute sind anders geworden...
  • Eine gewisse Hilfe beim Auswählen bieten die Auszeichnungen und Preise, die besonderen Kinderbüchern verliehen wurden. Sie bürgen für die Qualität eines Buches, sagen aber nichts über den möglichen Gebrauchswert für das einzelne Kind aus.
  • Jeder Buchhändler/Buchhändlerin und jeder Bibliothekar/ in helfen Ihnen gerne bei der Suche nach dem geeigneten Buch weiter!
  • Ein Buch als Überraschungsgeschenk zu bekommen ist schön. Gehen Sie dennoch ab und zu in Begleitung des Kindes in eine Buchhandlung oder Bücherei und lassen Sie es in aller Ruhe selbst nach seinen eigenen Bedürfnissen und Gelüsten auswählen. Oftmals ist für Kinder gerade das „spannend”, was wir als Eltern als „nicht geeignet” ansehen. Woher nehmen wir uns das Recht zu entscheiden, was für das Kind wissenswert ist und was noch nicht ?
  • Wir sollten kritisch bleiben, aber nicht bestimmend. Woher wissen wir, ob ein Achtjähriger vom selbstausgewählten Buch über Raumfahrt nicht doch mehr erfährt, lernt, begreift, als wir vermuten?
  • Lassen Sie Ihre Kinder mit Freunden Bücher tauschen! Die „Werbung” für das eine oder andere Buch unter Kindern ist erfahrungsgemäß viel effektiver als die Buchempfehlungen Erwachsener!
  • Geben Sie Ihren Kindern spannende Fortsetzungsgeschichten als Bettlektüre in die Hand! Wer brennt nicht darauf, abends noch eine Viertelstunde lang zu erfahren, ob der Kinderbund der “Schwarzen Sieben” endlich dem Nachbarn auf die Spur kommt, der alle Hunde vergiftet.....
  • Machen Sie Ihr Kind zum stolzen Besitzer eines eigenen Leseausweises für die ortsansässige Bücherei und geben sie ihm die Möglichkeit, wie ein „Erwachsener” selbstständig dort Bücher auszuwählen und auszuleihen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Lektüre. Lassen Sie sich die gelesenen Geschichten ruhig erzählen, fragen Sie nach, was Ihr Kind an diesem oder jenem Buch besonders spannend, traurig oder lustig fand.

Zum Abschluss soll noch einmal betont werden, dass der Weg zum Lesen nicht in erster Linie über das Lesen-Lernen und das Lesen-Können erfolgt. Eltern, die also meinen, dass das Lesen-Können einzige oder wichtigste Voraussetzung für das Interesse an Büchern ist, irren sich. Vielmehr bedingen sich Lesenlernen und Leselust gegenseitig. Auch ein Kind, das sich mit dem Lesenlernen anfänglich noch etwas schwer tun mag, kann durchaus Spaß am Lesen bekommen, wenn es behutsam und mit der passenden Lektüre „versorgt” wird. Vielleicht ist der Fibeltext im Lesebuch der Grundschule für Ihren Sohn/ Ihre Tochter in der Tat nicht so spannend wie Papas Automagazin oder Mamas Frauenzeitschrift. Lesen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam das, was es interessiert, und Sie werden vielleicht schnell feststellen, dass das Lesenlernen für Ihr Kind viel mehr ist, als ein Aneinanderreihen von gelernten Buchstaben.

Literatur zum Thema “Leseförderung”:

Mähler, B. und Kreibich, H.: Bücherwürmer und Leseratten, Wie Kinder Spaß am Lesen finden. ro-ro-ro-Sachbuch 9676, Hamburg 1994

Gärtner, H.: Spaß an Büchern ! Wie Kinder Leselust bekommen, Don Bosco-Verlag, München 1997

Meier-Hirschi, U.: Bücher machen Kinder stark ... und Lesen macht das Leben schön, Verlag pro juventute, Zürich 1994

In den genannten Büchern finden Sie weitere Literatur- und Nachschlagehinweise zum Thema “Leseförderung” !

 

 

 

Wum ! Bäng ! Ächz ! Von solchen und anderen Tönen....
- Eine kritische Bestandsaufnahme zum Thema „Comics”-

(A. Retzke)

Vor rund 100 Jahren erschienen die ersten Comics in den USA als Fortsetzungsgeschichten in Tageszeitungen. Verkaufsfördernde Überlegungen standen dabei im Vordergrund. 1929 tauchten die ersten Comic-Hefte auf, die immer mehr auch für Kinder gezeichnet und getextet wurden. Während in den USA sehr schnell dieser leichte, lockere Lesestoff seinen festen Platz neben der „guten, ernsthaften” Kinder- und Jugendliteratur einnahm, ging in Europa eine Welle der Empörung durchs Land, als nach dem 2. Weltkrieg die ersten Comics erschienen.

Lehrer, Eltern und Pädagogen sahen nicht bunt (wie in den Comics), sondern schwarz: Comics galten als minderwertig, man befürchtete eine allgemeine Verdummung, eine Verrohung und die Abkehr der Kinder und Jugendlichen vom Buch.

Die ganze Aufregung erwies sich später als vergebens. Auch mit Comics ist die Welt geblieben, wie sie war. Niemand würde es heute einfallen, die zunehmende Gewalt auf den Pausenplätzen und anderswo im Alltag den Comics anzulasten. Geschichten in Comic-Form sind längst kinderzimmerfähig geworden. Und doch zeigt sich noch da und dort, wenn es um Comics für die eigenen Kinder geht, eine gewisse Unsicherheit, vielleicht sogar ein Unbehagen aus vergangenen Zeiten, als die eigenen Eltern zuhause keine Comics-Hefte duldeten und man sie irgendwo im Versteckten las.

Zum besseren Ansehen der Comics in den letzten Jahren haben die öffentlichen Bibliotheken wesentlich beigetragen. Die Statistiken zeigen es: Kein Buch erreicht so hohe Ausleihzahlen wie Comic-Alben. Gemessen an der großen Zahl der Comics für Erwachsene gibt es jedoch verhältnismäßig wenige für Kinder. Wie also können sich Eltern in diesem Lektüre-Angebot orientieren und herausfinden, welche Comics sich für ihre Kinder eignen?

Bettina Wegenast, Fachfrau für Comicliteratur, Comicrezensentin und Inhaberin einer Comic-Buchhandlung in Bern stellt einige Merkpunkte zum Thema „Kinder und Comics” heraus:

  • Wichtig ist, sich von Anfang an darüber im klaren zu sein, dass Comics eine eigenständige Literaturgattung sind und sich nicht nach den gleichen Kriterien beurteilen lassen wie die herkömmlichen vertrauten Kinderbücher. Sie sprechen eine ähnliche Bildsprache wie Filme.
  • Kinder finden andere Dinge lustig als wir Erwachsene. Gerade, weil Comics das Komische, Skurrile und Witzige stark betonen, sind sie bei Kindern so beliebt.
  • Legen Sie Vorurteile ab und nehmen sich die Zeit, verschiedene Comics zu “beschnuppern” und wählen Sie dann aus, welche Geschichten sich für Ihr Kind eignen.
  • Wum, Bäng, Ächz - Diese Sprache bzw. diese Sprachverstümmelung färbt kaum auf die Sprache der Kinder ab, sie wird vielmehr als Bildbestandteil und nicht als sprachlicher Ausdruck empfunden.
  • Comics lassen auch bei der Bildervielfalt noch genügend Spielraum für Phantasie.

Es gibt immer wieder Kinder, die Bücher lesen und sich nicht von Comics angesprochen fühlen, andern Kindern fällt es leichter, sich mit Comics zu beschäftigen als sich durch viele Buchseiten hindurchzulesen, was aber nicht heißen will, dass diese Kinder nicht eines Tages den Weg zum traditionellen Buch finden. Genauso gibt es Kinder, die sowohl Bücher als auch Comics im Wechsel lesen. Viele Comics bzw. Bildgeschichten sind als Serien konzipiert, so beispielsweise auch die von Mädchen im Grundschulalter so gerne gelesene Pferdezeitschrift “Wendy”. Das bedeutet, dass Kinder eine gewisse Beständigkeit in ihnen vorfinden, nämlich Personen bzw. Tiere und eine Handlung, die ihnen vertraut sind, die zum Weiterlesen ermuntern und auch Ideen zum Nachspielen der einzelnen Geschichten liefern.

Tipp: Vielleicht regen Sie Ihr Kind einmal dazu an, selbst eine Bildergeschichte zu entwerfen oder lassen es eine von Ihnen erzählte kurze Geschichte in einer Bilder-Abfolge nachzeichnen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Bildergeschichten schon immer beliebt waren (Wilhelm Busch’s alte Bildergeschichten sind ebenso dazu zu zählen wie die, auch von vielen Erwachsenen gern gelesenen „Asterix”-Hefte) und es immer bleiben werden. Als Eltern sollte man - wie bei Kinderbüchern auch - prüfen, ob die inhaltlichen Aussagen der verschiedenen Comics dem Verständnis, dem Entwicklungsstand und dem Interesse des Kindes entsprechen und ob sie gewaltfrei sind. Dass Mickey und Donald sowie ihre Freunde des öfteren in durchaus witzige „Schlägereien” und Verfolgungsjagden verwickelt sind, wird aus unseren Kindern keine Schläger machen. Kinder sollten jedoch an möglichst vielen unterschiedlichen Bildformen ihren Geschmack schulen können, damit sie nicht irgendwelche Comic-Heftchen wahllos konsumieren. Haben Kinder sich eingelesen in wirklich „witzige” („Witz ist mit Wissen verwandt”), intellektuell fordernden, klug und hintergründig konstruierten Bildsequenzen, stehen sie den Plattitüden der reißerischen Comics mit ihren simplen Strickmustern kritisch gegenüber.

Folgende Gesichtspunkte können Ihnen bei der Comic-Auswahl helfen:
a) Sprechen die Personen in ganzen Sätzen?
b) Gibt es geschlechtsspezifische Vorurteile?
c) Werden die Personen als auswechselbare Typen dargestellt oder als Charaktere mit per sönlichen Eigenschaften?
d) Stehen brutale Action-Szenen im Vordergrund oder handelt es sich um eine bebilderte Kinderbuch-Geschichte?

Zwei eher bescheiden aufgemachte „Comic”-Büchlein zum Schluss als Empfehlung:
1. „Bildergeschichten aus dem Alltag eines Lausdirndls”, die dem Autor dieses Buches und der Zeichenfeder Jörg Plannerers entsprangen. “Typisch Angie?” Die Bildfolgen (dreischrittig, mit wenig Sprechblasentext) lassen ein pfiffiges Gör agieren, das seine liebe Not hat mit Eltern und Verwandten, Lehrern und Freunden.
2. „Tim und Struppi”, ein Comic-Klassiker, zu empfehlen wegen der eindeutigen Art der Illustration und vor allem deshalb, weil die Figuren in ganzen Sätzen reden, abenteuerlich, spannend, eine Identifikation mit dem Helden Tim ist sowohl für Mädchen als auch für Jungen möglich, geeignet auch für leseschwache Kinder.

Weitere Information zum Thema Comics/ Kinderzeitschriften sind erhältlich beim Arbeitskreis für Jugendliteratur, Schlörstr. 10, 80634 München. Hier kann man gegen die Gebühr „Das Kinderbuch” erhalten, in dem auch ein Kapitel „Bildergeschichten und Comics” enthalten ist, das ausführlich mit Altersangabe empfehlenswerte Titel vorstellt.

Informationen über “Kinder- und Jugendzeitschriften” erhalten Sie in der gleichnamigen Broschüre beim Deutschen Jugendschriftenwerk, Fischtorplatz 23, 55116 Mainz (kostenlos).

Literatur zum Thema “Comics”:

Grünewald, Dietrich: Vom Umgang mit Comics, Volk und Wissen, Berlin 1991
Helmers, Hermann: Sprache und Humor des Kindes, Klett, Stuttgart 1971
Scott Mc Cloud: Comics richtig lesen, Carlsen Studio, Reinbek bei Hamburg 1994

 

 

 

Die sieben goldenen Regeln des Vorlesens
(A. Retzke)

Der Grundstein für das Interesse eines Schulkindes an Büchern und seine spätere Freude am Lesen wird - wie wir alle wissen - in den meisten Fällen schon im Vorschulalter gelegt. Das Vorlesen der Eltern, Großeltern oder durch andere Personen weckt im Kind die Begeisterung für alle Arten von Geschichten.

Jeder Elternteil, der seinem Vorschulkind schon einmal vorgelesen hat, und wer hat das nicht, weiß aus Erfahrung, dass Kinder besonders auf Bildergeschichten reagieren, wenn Mutter oder Vater die dazu erzählte Geschichte besonders „dramatisch”, d.h. mit gehobener oder gesenkter Stimme vorträgt. Auch ältere Kinder ziehen eine spannend vorgetragene Geschichte einer „heruntergeleierten” vor. Man kann als Vorlesender jedoch auch des Guten zuviel tun. Dann achten die Kinder nicht mehr auf die Geschichte, sondern nur noch auf die „Faxen” des Vortragenden. Wichtig ist also eine Balance zwischen ruhigem Vortrag und lebhafterem Vorspielen.

Im folgenden einige praktische Tipps für „Märchentanten” (und -onkel natürlich) oder solche, die es werden wollen:

  • Suchen Sie einen ruhigen, gemütlichen Ort, an dem Sie mit Ihren Kindern auch ein bißchen kuscheln können.
  • Wählen Sie einen günstigen Augenblick zum Vorlesen, also den Abend oder eine Ruhepause. Versuchen Sie, das Lesen zu ritualisieren, am besten vor dem Schlafengehen.
  • Haben Sie Geduld mit den Kindern, d.h. lassen Sie sich von Zwischenfragen nicht stören, sondern nehmen Sie sie als Anregung. Lassen Sie Pausen zu!
  • Lassen Sie Ihre Kinder die Bücher auswählen, und versuchen Sie, auch wenn Sie ein Buch das dreißigste Mal vorlesen, den Wunsch der kleinen Zuhörer zu akzeptieren.
  • Vermeiden Sie das „Runterleiern”, denn Kinder spüren, wenn Sie mit den Gedanken nicht dabei sind. In den Geschichten oftmals enthaltene Dialoge verschiedener Personen können Sie eventuell durch Veränderung der Stimmlage bei den entsprechenden Personen besser verständlich machen. Stimme modulieren, d.h.: Wechseln zwischen laut-leise, mit Nachdruck, Hervorhebungen oder Pausen vorlesen. Lesen Sie nicht unbedingt „Wort für Wort”: Viele Redestellen können auch freier wiedergegeben werden und somit Langeweile vorbeugen. Sehen Sie beim freien Sprechen die Kinder an, der Blickkontakt verhindert, dass die Kinder “abschweifen”.(Haben Sie ruhig auch einmal den Mut, einen Gesprächstext in Ihrer Mundart (wenn vorhanden) vorzulesen; Kinder mögen es, wenn der Held des Buches mal im vertrauten Dialekt von Mama/Papa sprechen!)
  • Kaufen/ Entleihen Sie nur Bücher (zum Vorlesen) die Ihnen auch gefallen, denn dann macht das Vorlesen auch Ihnen Freude.
  • Nehmen Sie sich Zeit für das Danach, d.h. sprechen Sie mit den Kindern über das Gehörte.

(vgl. Mähler, B. u. Kreibich, H.: Bücherwürmer und Leseratten)

 

 

 

Die Bücherei - ein wichtiger außerschulischer Lernort

Der Lehrplan für das Fach Deutsch empfiehlt die „gewohnheitsmäßige Nutzung einer Stadtteilbibliothek“ mit dem Ziel der Leseförderung.

Seit vielen Jahren besuchen einmal pro Woche alle Klassen unserer Schule vormittags die „Katholische Öffentliche Bücherei“. Den Kindern aus Hersel ist das kostenlose Ausleihen der Bücher schon aus ihrer Kindergartenzeit bekannt. So sind die Besuche der Bücherei ein fester Bestand unseres Schulprogramms.

Ein Drittel des mehrere tausend Bände umfassenden Bestandes sind Kinder- und Jugendbücher. Erzählende Literatur und Sachliteratur für Kinder, aber auch Musik- CD, Kassetten und Spiele lassen sich in dem nach dem Umbau des Pfarrheimes vergrößerten und ansprechend gestalteten Raum finden. Nicht in Hersel vorhandene Bücher können über eine Fernausleihe beschafft werden.

Die Ausleihe im Klassenverband ist unabhängig von der privaten Ausleihe einzelner Kinder zu den normalen Öffnungszeiten. Bücher, die beim Besuch der Klasse geliehen werden, werden beim nächsten gemeinsamen Besuch auch wieder zurückgebracht.

Die Mitarbeiter des Büchereiteams berichten, dass viele Jugendliche, die vor Jahren als Schulkinder mit ihren Klassen kamen, heute noch „privat“ zur Ausleihe kommen. Sie scheinen einen Weg zur Literatur gefunden zu haben: ein Ziel der Schule und der Bücherei.

 

 

 

Die Katholische Öffentliche Bücherei in Hersel (KÖB)

Das Wort „katholisch“ im Namen der Stadtteilbücherei von Hersel weist auf die Trägerschaft der Pfarre und der Diozöse hin. Sie tragen den Hauptanteil an der Finanzierung. Der andere Teil wird durch Spenden oder durch den Erwerb von Bonusanteilen bei Ausstellungen und Verkäufen von Büchern besonders zu Weihnachten und Ostern bestritten.

Das Wort „öffentlich“ im Namen weist darauf hin, dass jeder, unabhängig von der Orts- oder Glaubenszugehörigkeit hier kostenlos ausleihen kann.

Der vorhandene Bestand wird jährlich durch zahlreiche Neuanschaffungen aktualisiert. „Veraltetes“ wird auf einem Flohmarkt „ausrangiert“.

Die Arbeit in der Bücherei teilt sich ein ehrenamtlich arbeitendes Team aus Erwachsenen und Jugendlichen. Auch die Auswahl der Neuanschaffungen gehört zu den Aufgaben des Teams. Die Kirche gibt zwar einen Großteil der Gelder, nimmt aber keinen Einfluss auf den Bestand.

Die „Eckpfeiler“ für die Auswahl sind
keine Pornographie
keine Gewaltverherrlichung
kein Aufruf zum Rassenhass

Jährlich verzeichnet die Katholische Öffentliche Bücherei in Hersel weit über 10 000 Ausleihen.

Sidi Aktiv Markt
Stiftung für uns Pänz
Volksbank
Weidenbrueck 2
El Foco
Dommack2
Dumjahn2
Emmerich-Werbung
Uncle Fred
ChudeckDruckService
Gurkenstark
Cyrus Poonawalla 2
Bäckerei Klein 2
Wenseler
Classen