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Konzept zur Förderung der motorischen Fähigkeiten (Psychomotorik)
1. Ausgangslage 2. Forderungen der Richtlinien und Umsetzung des Schulprogramms 3. Zielsetzung 4. Zielgruppen 5. Inhalte 6. Stundenplan/ Zeitansatz 7. Personal
8. Förderumgebung 9. Materialien 10. Fortbildung
1. Ausgangslage
Kinder haben heute vielfach nicht mehr die Möglichkeiten, ihrem natürlichen Bewegungsdrang frei nachzukommen, der jedoch für eine gesunde Entwicklung unerlässlich ist. Daraus
resultiert, dass heutzutage viele Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger große Probleme damit haben, sich konzentriert am Unterricht zu beteiligen und ihren Bewegungsdrang mit Ruhephasen
abzuwechseln.
Auch an der Herseler-Werth-Schule gibt es immer mehr Kinder, die Aufmerksamkeitsschwierigkeiten oder motorische Auffälligkeiten aufweisen.
2. Forderungen der Richtlinien und Umsetzung des Schulprogramms
Das Thema Bewegungsförderung und die Entfaltung eigener Wahrnehmungsfähigkeit, die eng mit der Konzentration und Aufmerksamkeit verbunden ist, spielt eine grundlegende Rolle in den
Richtlinien und besonders dem Lehrplan Sport der Grundschule. Im neuen Lehrplan wird das Thema Bewegung noch expliziter aufgeführt, als das bisher der Fall war. Neben der Entfaltung der eigenen
Wahrnehmungsfähigkeit ist ebenso die Entfaltung von Bewegungsfreude ein ausgesprochenes Ziel.
Die Konzentration als Maß für die Aufmerksamkeit stellt eine Grundanforderung für jegliches Lernen dar. Das aufmerksame Wahrnehmen ist somit eine unverzichtbare
Schlüsselqualifikation, die die Schülerinnen und Schüler ihr gesamtes Leben begleiten wird.
„Ein ausreichendes Maß an Bewegung fördert die körperliche, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler gleichermaßen. Die Grundschule kommt dem
natürlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegen, indem sie alle Möglichkeiten nutzt, das Lernen durch Bewegung zu unterstützen und das Schulleben durch Bewegung, Spiel und Sport zu rhythmisieren.
Bewegung, Spiele und Sport sind daher integrale Bestandteile des Lehrens, Lernens und des Lebens in der Grundschule.“
Die Schülerinnen und Schüler sollen erfahren, dass Bewegung als Entspannungs- und Lockerungselement im Wechsel zum konzentrierten Lernen als ein selbstverständlicher Bestandteil im
Lernalltag integriert wird.
Bereits der Kindergarten hat einen eigenen Bildungs- und Erziehungsauftrag auch bezüglich der Motorik und Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder, der es ermöglichen soll, dass die
Schülerinnen und Schüler sich von Beginn an am Unterricht beteiligen können.
Ebenso wie in allen anderen Bereichen soll die Lehrperson den Schülerinnen und Schülern einerseits als Vorbild dienen und ihnen andererseits als Begleiter zur Seite stehen. Es soll
vermittelt werden, dass Bewegung und Entspannung Freude bereiten kann und eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Lernen darstellt.
Im Lehrplan Sport finden sich nicht nur Aspekte, die ausschließlich den Sportunterricht betreffen. Vielmehr stellt er grundlegende Forderungen an das gesamte Schulleben. Eine
pädagogische Perspektive, die im gesamten Schullalltag ihre Gültigkeit besitzt, sieht dabei die Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit und die Erweiterung von Bewegungserfahrungen vor. Die Schülerinnen
und Schüler sollen Gelegenheit erhalten, ihre Umwelt durch Bewegung zu erkunden und dadurch auch die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit zu erproben und zu erfahren. Im Sinne der
„bewegungsfreudigen Schule“ führt die Bewegung und das Lernen mit Kopf, Herz und Hand zu einer nachhaltigen und greifbaren Erfahrung und stellt somit einen unverzichtbaren Bestandteil des
Schullebens dar.
„Eine vielseitige, entwicklungsgerechte Ansprache aller Sinne fördert das Lernen und zugleich die allgemeine Lernfähigkeit. ... Andererseits lässt sich über die
Erweiterung des Bewegungskönnens die Wahrnehmungsfähigkeit differenzieren. Die Wahrnehmungsfähigkeit ist für die Entwicklung und das Lernen ... grundlegend.“
Neben dem verbindlichen Sportunterricht für alle gibt es für Schülerinnen und Schüler mit psychomotorischem Förderbedarf zusätzliche unterrichtliche Veranstaltungen in Form von
Sportförderunterricht.
Im Schulprogramm der Herseler-Werth-Schule wird der Zusammenhang von Lernen und Bewegung anhand von zwei übergeordneten Standards, dem „Lernen lernen – ein Leben lang“ und
der „Bewegung“, besonders aufgeführt.
„Um die Anstrengungsbereitschaft zu erhalten, benötigen die Kinder einen strukturierten Schultag, in dem sich Arbeitsphasen mit Entspannungs- und Bewegungsphasen abwechseln.“
Die Schülerinnen und Schüler sollen durch die Einbeziehung verschiedener Sinne in den Lernprozess die Möglichkeit erhalten, ihren individuellen Lerntyp herauszufinden. Um die Kinder
nicht in ihrem Lernprozess zu beeinträchtigen und ihnen Wege zur Bewältigung von zwangsläufig aufkommenden Misserfolgen, Fehlern und Leistungsdruck zu ermöglichen, bieten sich unter anderem
Entspannungsphasen und Bewegungsspiele an. Um dem Prinzip des lebenslangen Lernens gerecht zu werden, müssen immer wieder neue Anreize zum Weiterlernen mit allen Sinne geschaffen werden.
„Bewegung ist für eine gesunde geistige, körperliche und seelische Entwicklung eines Kindes unerlässlich. Viele Kinder zeigen einen auffällig großen Bewegungsbedarf, während andere
Bewegung möglichst zu vermeiden suchen.“
Zur gezielten Schulung von Fähigkeiten wie beispielsweise Körperwahrnehmung, Entspannung und Ruhe sind im normalen Unterrichtsgeschehen kurze Bewegungsphasen geeignet. Als spezielle
Maßnahme zur Förderung motorischer Fähigkeiten gibt es an der Herseler-Werth-Schule das sogenannte „Superturnen“. An dieser psychomotorischen Förderung nehmen nur ausgewählte Schülerinnen und
Schüler, die primäre Defizite aufweisen, teil.
3. Zielsetzung
Bewegung im Kindesalter wurde als eines der wichtigsten Mittel zur ganzheitlichen Persönlichkeitsförderung erkannt. Im Sinne der Psychomotorik steht das Kind in seiner Gesamtheit im
Blickpunkt des Geschehens, wobei sowohl positive als auch negative Persönlichkeitsmerkmale in ihren Wechselwirkungen Berücksichtigung finden.
Einerseits haben motorische Beeinträchtigungen Auswirkungen auf die perzeptive, kognitive, affektive und soziale Entwicklung eines Kindes. Andererseits können gestörte
Persönlichkeitsvariablen im Bereich der Wahrnehmung auch Auswirkungen auf die Motorik, die Sprache oder die emotionale Beziehungsfähigkeit eines Kindes haben.
Im Hinblick der Ermutigung dienen bereits kleinste Erfolgserlebnisse als Schlüsselerlebnisse, welche weitere Bewegungsmotivation auslösen können.
Zu den Zielen der psychomotorischen Förderung gehören
- die Stärkung der Körperspannung und der Körperwahrnehmung, - die Stärkung des eigenen Selbstvertrauens, - die Förderung der Konzentrationsfähigkeit,
- die Erhöhung der Frustrationstoleranz, - Verbesserungen des Sozialverhaltens, - Verbesserungen im Sprachverhalten, - die Steigerung der Bewegungsfreude.
4. Zielgruppen
Grundsätzlich ist Psychomotorik eine Bereicherung für jedes Kind. An der Herseler-Werth-Schule können jedoch aus organisatorischen Gründen nur ausgewählte Schülerinnen und Schüler
am Psychomotorik-Angebot, dem „Superturnen“ teilnehmen. In diesem Fall dient es als Frühförderung für Kinder, die Auffälligkeiten in den Bereichen Bewegung (Grob- und Feinmotorik), Wahrnehmung,
Sprache sowie emotionale und soziale Kompetenzen aufweisen.
Das Superturnen ist besonders geeignet für Kinder, die
- wenig Körperspannung und Körpergefühl haben. - ungeschickt, unsicher oder schwerfällig in ihren Bewegungen sind. - ängstlich, gehemmt sind und sich wenig zutrauen.
- unkonzentriert und unruhig erscheinen. - emotional labil und unausgeglichen wirken. - eine geringe Frustrationsgrenze zeigen. - Probleme im Sozialverhalten aufweisen.
- auffällig im Sprachverhalten sind. - wenig Spaß an Spiel und Bewegung haben.
5. Inhalte
Im Superturnen werden Bewegungs- und Spielanlässe geschaffen.
Es geht nicht darum, bestimmte Fähigkeiten und Techniken zu üben und zu erlernen, sondern die Bewegungsfreude und die gemeinsame Auseinandersetzung miteinander und untereinander zu
vermitteln. So werden bereits vorhandene Fähigkeiten gestärkt und Grundlagen für weitere Entwicklungsschritte geschaffen. Zu den Inhalten einer Stunde gehören beispielsweise vielseitige
Gerätelandschaften zur Schulung der unter Punkt 3 (Zielsetzung) genannten Bereiche, Übungen zur An- und Entspannung, Vertrauensspiele, Lauf-, Fang- und Konzentrationsspiele.
6. Stundenplan/ Zeiteinsatz
An der Herseler-Werth-Schule gibt es zwei Sportfördergruppen. In Gruppe 1 werden Kinder der Schuleingangsphase, in Gruppe 2 Kinder der Jahrgänge 3 und 4 motorisch gefördert.
Für jede Gruppe ist pro Woche eine Stunde Sportförderunterricht im Anschluss an den regulären Unterricht als zusätzliche Unterrichtsmaßnahme in die Stundentafel integriert.
7. Personal
Das Superturnen wird von ausgebildetem Personal durchgeführt.
8. Förderumgebung
Das Superturnen findet grundsätzlich in der Turnhalle statt, da dort die verschiedensten Geräte und Materialien zur Verfügung stehen und die Kinder genügend Raum zur
Bewegungsentfaltung haben. Eine psychomotorische Förderung ist jedoch überall möglich, da Alltagsgegenstände ebenso wie Naturmaterialien zur Förderung genutzt werden können. Auch das Balancieren und
Klettern auf dem Schulhof ist Teil einer natürlichen psychomotorischen Förderung, bei der die Schülerinnen und Schüler selbstständig entscheiden, was sie sich bereits zutrauen können oder aber auch
nicht.
9. Materialien
Materialien des Superturnens können alle Geräte aus der Turnhalle wie z.B. Großgeräte, Rollbretter, Schwungtücher, Bälle aller Art, Seile, Bänke und Turnmatten sein. Aus den Geräten
können Bewegungslandschaften aufgebaut werden, die von den Kindern „ergründet“ oder nur in der Gemeinschaft bewältigt werden können. Außerdem können Alltags- oder Rhythmikmaterialien motivierend
auf die kindgemäße Bewegungswelt wirken.
10. Fortbildung
Der „Förderverein Psychomotorik Bonn e.V.“ bietet viele verschiedene Fortbildungsangebote an.
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