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Konzept zur Leseförderung
„Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.“
Aldous Huxley
1. Ausgangslage 2. Forderung des Schulgesetzes und der Richtlinien 3. Zielgruppe 4. Inhalte 5. Stundenplan / Zeiteinsatz 6. Personal 7. Lernumgebung
8. Materialen 9. Fortbildung 10. Umsetzung 11. Zielsetzung 12. Kooperationspartner
1.Ausgangslage
Bei ihrem Eintritt in die Schule kommen die Kinder mit sehr unterschiedlichen Lernausgangslagen. Dies zeigt sich bezogen auf das Lesen beispielsweise darin, dass einige
Kinder sich bereits erste Texte erlesen können, während für andere noch alle Buchstaben unbekannt sind. Um allen Kindern gerecht zu werden, müssen sie dort abgeholt werden, wo sie in ihrer jeweiligen Leseentwicklung
stehen. Hierzu dient das Lesekonzept.
Ziel des Lesekonzeptes ist es, die Kinder zu kompetentem Lesen zu befähigen (vgl. Kapitel 11). Daher soll im Folgenden der Begriff der Lesekompetenz kurz definiert
werden:
Begriffsdefinition „Lesen“ und „Lesekompetenz“:
Auf die Frage, was „Lesen“ ist, antwortet Erika Altenburg: „Eines ist Lesen mit Sicherheit nicht: nämlich eine reine „Technik“.“ Damit macht sie
klar, dass Lesen mehr ist, als das Beherrschen von Fertigkeiten wie der richtigen Laut-Buchstaben-Zuordnung oder das Verschleifen der Laute zu Wörtern. Diese eher „technischen“ Fertigkeiten sind für den Leser
notwendig, um einen Text zu rekodieren. Doch reicht dies noch nicht aus. Um von wirklichem Lesen sprechen zu können, erklärt Altenburg weiter, muss das Dekodieren hinzukommen. Mit Dekodieren bezeichnet sie den
Moment der Sinnentnahme. Erst wenn der Leser das, was er gelesen hat, auch verstanden hat, kann er wirklich lesen. Somit könnte man Altenburgs Ausführungen auf die kurze Formel bringen: Lesen bedeutet
Verstehen. Hinter dem Prozess des verstehenden Lesens verbergen sich vielschichtige motivationale und kognitive Prozesse. Das Erlernen und Automatisieren dieser Prozesse macht einen Leser zu einem
„lesekompetenten“ Leser. Voraussetzung dazu ist, dass Motivation zum Lesen vorhanden ist.
Kognitiver Aspekt: Altenburg versteht Lesen als einen hypothesenbildenden Prozess, d.h. der Leser entwickelt, noch während er einen Satz überblickt, eine Idee des
Gemeinten (Antizipation). Erst beim zweiten Hinsehen überprüft er diese Hypothese. Antizipation und Hypothesenbildung greifen ineinander und sind Teilfertigkeiten innerhalb des Leseprozesses. Innerhalb dieses
Prozesses kommen die Lesestrategien (siehe Anhang-Tabelle „Lesestrategien) zunehmend zur Anwendung und Unterstützen das Leseverstehen.
Altenburg unterscheidet zwischen drei Lesestufen:
1. Lesestufe: Der Leseanfänger überträgt die Laute in Buchstaben, verschleift diese, hört das eigene, laute Sprechen und entnimmt die Bedeutung.
2. Lesestufe (wird spätestens im Laufe der 2. Klasse erreicht): Dieses Sich-selbst-Vorsprechen wird mit zunehmender Übung immer leiser, bis nur noch die Lippen bewegt
werden und die Bedeutungsentnahme endlich still erfolgt (Ziel des Lesenlernen, die selbstständige Bedeutungsentnahme, ist erfolgt.).
3. Lesestufe: Sie stellt die Höchstform dar, weil alle Teilleistungen gleichzeitig erfolgen.
Während des lauten Lesens entnimmt der Leser die Bedeutung und gibt durch die Art und Weise der Betonung eine Interpretation des Gelesenen zu erkennen.
Lebenspraktisch betrachtet ist die 2. Lesestufe die Wichtigste, denn jemand, der aus einem Text etwas entnehmen, etwas erfahren will, wird still für sich lesen.
Motivationaler Aspekt: Jens Möller und Ulrich Schiefele definieren den Begriff „Lesemotivation“ als „das Ausmaß des Wunsches oder der Absicht, in einer bestimmten
Situation einen spezifischen Text zu lesen […].“
PISA umschreibt die Lesemotivation mit den Begriffen Leseinteresse und Leselust. Bei vielen Kindern ist ab der dritten Klasse ein so genannter „Leseknick“
(Nachlassen der Leseaktivität; Verlust von Lesemotivation) beobachtet worden. Daher ist es neben dem Schaffen von Lesemotivation auch Aufgabe der Schule, eine nachhaltige Motivation zum Lesen bei den
Schülerinnen und Schülern zu entwickeln.
Die Basis der Lesekompetenz wird in der Grundschule geschaffen, und ihre Entwicklung und Förderung gilt als zentrale Aufgabe der Grundschule.
2. Forderungen der Richtlinien und des Lehrplans Deutsch
Die Richtlinien weisen darauf hin, dass „jeder Unterricht und das Lernen in der Schule in besonderer Weise auf Lese[…]kompetenz der Schülerinnen und Schüler
angewiesen sind“. Aus diesem Grund benennen die Richtlinien die Leseerziehung als eines der leitenden Unterrichtsprinzipien.
Der Lehrplan Deutsch greift dieses Prinzip auf und konkretisiert es. Zunächst beschreibt er die Entwicklung einer Lesekultur allgemein als Leitidee des
Deutschunterrichts. Dem genießenden und interessegeleiteten Lesen im Unterricht wird hierbei vom Lehrplan eine besondere Bedeutung zugesprochen, weil das alltägliche Lesen dadurch eine positive Funktion
erhält. Hierzu sollte den Schülerinnen und Schülern in verlässlichen Lesezeiten Gelegenheit gegeben werden.
Unter dem Fachbereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ erklärt auch der Lehrplan, dass das Lesen eine Schlüsselfunktion für erfolgreiches Lernen
einnimmt, da eine Vielzahl der Lebensbereiche über das Lesen erschlossen wird. Als Kernanliegen dieses Fachbereichs beschreibt der Lehrplan das Entwickeln der Fähigkeit zum genießenden, selektierenden und kritischen
Lesen sowie das Anregen einer selbstbewussten und interessegeleiteten Text- und Medienauswahl.
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Fachbereichs „Lesen“ werden vom Lehrplan wie folgt benannt: - Über Lesefähigkeiten verfügen - Über Leseerfahrungen verfügen
- Texte erschließen / Lesestrategien nutzen - Texte präsentieren - Mit Medien umgehen
3. Zielgruppe
Das Lesekonzept zielt auf alle Kinder aller Jahrgangsstufen der Herseler-Werth-Schule und wird in allen Klassen differenziert ein- und umgesetzt.
4. Inhalte
- Förderung im Leseerwerb - Förderung des sinnentnehmenden Lesens - Förderung in der Aneignung und dem Nutzen der Lesestrategien - Förderung der Lesemotivation
- Förderung eines kritischen Umgangs mit Medien und Literatur - Förderung in der Auswahl individuell geeigneter Literatur - Förderung im handlungsorientierten Umgang mit Texten
- Ermöglichen vielfältiger Leseerfahrungen
5. Stundenplan / Zeitansatz
Die Leseförderung findet im täglichen Regelunterricht der Herseler-Werth-Schule statt. Kindern mit einem zusätzlichen Förderbedarf stehen zusätzliche Förderstunden zur
Verfügung. Die zeitliche Dauer solcher zusätzlichen Fördermaßnahmen kann sich von einigen Wochen bis das gesamte Schuljahr erstrecken. Dabei bleibt der Bezug zur restlichen Lerngruppe jedoch kontinuierlich erhalten.
6. Personal
Die Umsetzung der in diesem Konzept beschriebenen Maßnahmen obliegt allen Lehrkräften der Herseler-Werth-Schule. Unterstützung erhalten die Kolleginnen in der
Schuleingangsstufe durch eine Sozialpädagogin, in den Integrationsklassen durch eine Sonderpädagogin, in den anderen Klassen durch eine speziell hierfür ausgebildete Lehrerin aus dem Kollegium der Schule. Diese
führt mit einzelnen Kindern eine Lesediagnose durch, auf deren Grundlage ein Förderplan erstellt wird.
7. Lernumgebung
Die Umsetzung des Konzeptes findet schwerpunktmäßig in den Klassenräumen statt. Zusätzlich wird der Computer-Raum der Schule sowie die ortsansässige Pfarrbücherei
genutzt. Bei schönem Wetter kann auch das Schulgelände (bspw. der Schulgarten) miteinbezogen werden. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werden zudem außerschulische Lernorte (bspw. das Bilderbuch-Museum in
Troisdorf) besucht.
8. Materialien und Maßnahmen
Folgende Maßnahmen und Materialen können im Laufe der vier Grundschuljahre zur Förderung der technischen Lesefertigkeiten sowie der Lesemotivation eingesetzt und
genutzt werden:
- vielfältiges und umfangreiches Bücherangebot innerhalb der Klassenräume (Klassenbibliothek)
- Lesebücher - Lesekarteien - Internetportal Antolin - Arbeit mit Lesetagebüchern - Ergänzende Unterrichtsmaterialien zum Lesen (Lese-Mal-Hefte, …) - Lesefitness-Training
- ELFE – Leseverständnis – Test - regelmäßige freie Lesezeiten - regelmäßige Vorlesezeiten - Buchvorstellungen (durch Lehrkraft und durch Schulkinder) - Büchereibesuch - Autorenlesung
- Besuch außerschulischer Lernorte
9. Fortbildung
Im Rahmen der regelmäßigen Fortbildungen hatte das Kollegium der Herseler-Werth-Schule im Schuljahr 07 / 08 eine Fortbildung zum Thema Didaktik und Methodik des Lesens
mit den Schwerpunkten „Lesemotivation“ und „Lesestrategien“.
Weitere Fortbildungen sind anvisiert.
10. Umsetzung
Um die Lesekompetenz der Kinder zu fördern und zu entwickeln bietet die Herseler-Werth-Schule folgende Möglichkeiten:
10.1.: Lesemotivation
- Lesezeit: Eine Stunde freies interessegeleitetes Lesen innerhalb der Klassengemeinschaft. (Bei schönem Wetter kann das Außengelände der Schule genutzt werden.)
- Lesetagebuch: Die Kinder fixieren schriftlich in Tagebuchform ihre Leseergebnisse. Sie haben die Möglichkeit ihr Lesen zu dokumentieren und sich mit dem Gelesenen
auf vielfältige Art (eigene freie Texte, Illustrationen, einen Schluss finden, eigene Meinung zum Text, Zusammenfassung...) selbstständig auseinander zu setzen.
- Buchvorstellung: Die Kinder dürfen der Klasse ihr Lieblingsbuch vorstellen und tauschen sich anschließend in einem Gespräch darüber aus. So werden die Kinder von
ihren Klassenkameraden auf die für sie interessanten Bücher aufmerksam gemacht.
- Buchangebot: In jeder Klasse besteht ein Repertoire an Kinder- und Jugendbüchern sowie Sachbücher. Dieses kann dadurch erweitert werden, dass Geburtstagskinder der
Klasse zum Geburtstag ein Buch zur Erweiterung der Klassenbibliothek schenken.
- Büchereibesuch: Einmal im Monat besuchen die Klassen der Herseler-Werth-Schule die Bibliothek der katholischen Kirchengemeinde. Dadurch erhalten die Kinder die
Möglichkeit, sich ein Buch nach eigener Wahl für einen Monat auszuleihen. Zugleich lernen sie die Bibliothek als Buchausleihe- Stelle und den Umgang mit ihr kennen. Zu besonderen Gelegenheiten bekommen die Kinder
während ihres Aufenthalts in der Bibliothek vom Personal ein Buch z.B. in Form eines Bücherkinos vorgelesen.
- Autorenlesung: Es ist zu einem schönen Brauch geworden, Kinderbuchautoren in die Herseler-Werth-Schule einzuladen. Sie stellen ihre Bücher in Form eines
Mitmachprogramms vor.
- Vorlesezeit: Die Herseler-Werth-Schule nimmt am bundesweiten Vorlesetag im November teil. Weitere Informationen findet man unter: www.wirlesenvor.de. In der
Adventszeit werden Bücher oder vorweihnachtliche Geschichten vorgelesen. Auch im Rahmen des Weihnachtsmarktes gibt es eine feste Vorlesezeit.
- Antolin: www.antolin.de ist eine Internetseite, auf der die Kinder die Möglichkeit haben Quizfragen zu den von ihnen gelesenen Büchern zu bearbeiten. Auf diese
Weise kann nicht nur die Lesemotivation, sondern auch das Leseverständnis gefördert werden. Sobald die Kinder in der Lage sind ganze Bücher zu lesen, die auch bei Antolin verzeichnet sind, wird ihnen die Möglichkeit
gegeben, diese Bücher online zu bearbeiten. Dies kann zu bestimmten Zeiten in der Schule oder von zu Hause aus gemacht werden.
- Lesefitness-Training: (Vgl. unter 10.2)
10.2.: Lesetechnik
- Lesefitness-Training Um die Lesetechnik und somit auch die Lesekompetenz der Kinder zu verbessern, eignen sich verschiedene Lesefitness-Trainings. In motivierenden
Aufgaben und Tests entwickeln und testen sie kontinuierlich und individuell das Lesetempo und Leseverständnis der Kinder.
- Verschiedene Lesetrainings zu den Lesestrategien
10.3.: Überprüfung der Leseleistung
In den ersten beiden Schuljahren wird das Leseverständnis mit Lesemalblättern oder Verständnisfragen zu kleineren Texten überprüft. In den folgenden Schuljahren
werden die Texte sowie die Fragen dazu anspruchsvoller, offener und umfangreicher. Hinzu kann ein standardisierter Leseverständnistest (PC-Programm „Elfe“) in allen Klassenstufen durchgeführt werden.
- ELFE – Leseverständnistest: Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler ELFE ist ein Leseverständnistest, der in den
ersten sechs Schulklassen eingesetzt werden kann. Das Verfahren ist sowohl als Computerprogramm, als auch als Papier- und Bleistiftversion zur Gruppentestung verfügbar. Das Computerprogramm
wird vom Kind selbstständig durchgeführt. Im Anschluss an den Test erfolgt eine automatische Auswertung und Diagnosestellung, sodass das Verfahren auch von testdiagnostisch
ungeschultem Personal eingesetzt werden kann. Im Vordergrund des Tests steht die Erfassung des Leseverständnisses und nicht des orthographischen Wissens oder der Artikulationsfähigkeiten.
Das Leseverständnis wird auf den folgenden Ebenen erfasst:
- Wortverständnis (Dekodieren, Synthese) - Lesegeschwindigkeit (Lesegeschwindigkeit) - Satzverständnis (sinnentnehmendes Lesen, syntaktische Fähigkeiten) -
Textverständnis (Auffinden von Informationen, satzübergreifendes Lesen, schlussfolgerndes Denken) Einige der Maßnahmen aus 10.1 dienen neben der Lesemotivationsförderung
gleichzeitig der Überprüfung der Leseleistung, da die Lehrerin aus den Arbeitsergebnissen der Kinder Rückschlüsse auf deren Leselistung ziehen kann: - Lesetagebuch - Antolin-Auswertung
Methodische Konsequenzen in der Umsetzung:
- Angebot von einfachen Texten und nicht isolierten Einzelwörtern, weil es besonders für leseschwächere Kinder einfacher ist, ein einzelnes Wort im
Textzusammenhang zu verstehen, als dieses Wort einzeln vorzufinden und mit einer Vorstellung verbinden zu müssen (siehe Lesestufe 1 in Kapitel 1). - Erschließen von unbekannten Wörtern
bzw. Begriffen aus dem Textzusammenhang, dadurch erübrigt sich Voraberklärung durch die Lehrperson und die Selbstständigkeit des Lernenden bei der Texterschließung wird gefördert (siehe
Lesestufe 2 in Kapitel 1). - Bei der Auswahl von Texten sollte man darauf achten, welche Wörter bzw. Satzkonstruktionen für die Kinder unbekannt sein können und mit welchen Begriffen
keine Vorstellungen verbunden sind (siehe Lesestufe 3 in Kapitel 1).
11. Zielsetzung
Mit den oben beschriebenen Maßnahmen soll zum einen erreicht werden, dass die Kinder der Herseler-Werth-Schule genießend und interessegeleitet Lesen (Lesemotivation).
Zum anderen sollen sie am Ende ihrer Grundschulzeit dazu in der Lage sein, die Lesestrategien in ihren Leseprozessen anzuwenden. Somit erfahren die Kinder, dass Lesen sowohl der Entspannung und dem Genuss dienen
kann, als auch Informationsaufnahme zur Bewältigung des alltäglichen Lebens bedeutet.
12. Kooperationspartner
Zur Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen arbeitet das Kollegium der Herseler-Werth-Schule mit folgenden Kooperationspartnern zusammen:
- Büchereien - Kinderbuch-Autoren - Eltern - Außerschulische Lernorte
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