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Konzept zur Förderung rechtschreibschwacher Kinder
1. Ausgangslage 2. Forderungen der Richtlinien und Lehrpläne NRW 2008 sowie des
Schulministeriums NRW 3. Zielgruppen 4. Inhalte 5. Materialien 6. Stundenplan / Zeiteinsatz 7. Personal 8. Zielsetzung 9. Fortbildung
1. Ausgangslage
Wenn die Kinder in die Schule kommen, befinden sie sich auf unterschiedlichen Stufen auf dem Weg zur Schriftsprache. Die
meisten Kinder sind schon in der Lage, ihren Namen zu schreiben und kennen auch die richtige Schreibrichtung. Manche beherrschen auch schon einige Laut-Buchstaben-Entsprechungen. Im Laufe des 1.
Schuljahres lernen die Kinder anhand einer Anlauttabelle die Phonem-Graphem-Zuordnung so zu nutzen, dass sie Wörter und Sätze „verschriftlichen“ können, in-dem sie zunächst so schreiben, wie
sie sich die Wörter vorsprechen (z. B. UA = Uhr, SNH = Sonne). Im Laufe dieses Prozesses beginnen die Schüler der Schuleingangsphase, ihre „Privatschrift“ zu hinterfragen und werden durch
den parallel laufenden Leselernprozess zunehmend dafür sensibilisiert, so zu schreiben wie es die gültigen Rechtschreibregeln vorgeben. Damit ist der Grundstein zu einem Rechtschreibgespür gelegt.
Der reguläre Rechtschreibunterricht der Grundschule ermöglicht einem Kind ohne Beeinträchtigungen Rechtschreibkompetenz zu entwickeln und zu festigen. Aus den unterschiedlichsten Gründen gibt es aber
auch Kinder, die sich mit dem Schriftspracherwerb schwer tun und daher besonderer Förderung bedürfen. Man spricht von einer sog. Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Merkmal einer LRS ist eine
ausgeprägte Beeinträchtigung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit. Die Umsetzung von Lautzeichen (Phoneme) in die richtige Reihenfolge von Schriftzeichen (Grapheme) oder der umgekehrte Vorgang sind
erheblich erschwert. Neben diesen Schwierigkeiten, die direkt mit dem Lesen und Schreiben zusammenhängen, weisen Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche oftmals auch Defizite in der Motorik
(vorwiegend Feinmo-torik), Sprache, visuellen Wahrnehmung, Lautunterscheidungsfähigkeit, Konzentration, psychi-schen Belastbarkeit und Merk- bzw. Speicherfähigkeit auf.
2. Forderungen der Richtlinien und Lehrpläne NRW 2008 sowie des
Schulministeriums NRW
Die Ziele, die im Rechtschreibunterricht der Grundschule erreicht werden sollen, sind in den Kompetenzerwartungen der
Richtlinien und Lehrpläne NRW 2008, Seite 30 wie folgt angegeben:

Die gesetzliche Grundlage für die Arbeit mit lese-rechtschreibschwachen Schülern befindet sich im sog. LRS-Erlass:
RdErl. d. Kultusministeriums v. 19.7.1991 II A 3,70-20/0-1222/91 NRW heißt es:
„Bei einer schriftlichen Arbeit oder Übung zur Bewertung der Rechtschreibung im
Fach Deutsch ….. kann die Lehrerin oder der Lehrer im Einzelfall eine andere Aufgabe stellen, mehr Zeit einräumen oder von der Benotung absehen und die Klassenarbeit
mit einer Bemerkung versehen, die den Lernstand aufzeigt und zur Weiterarbeit ermutigt. ….
Zeugnisse:
Der Anteil des Rechtschreibens ist bei der Bildung der Note im Fach Deutsch
zurückhaltend zu gewichten. In den Zeugnissen kann in der Rubrik ‚Bemerkungen’ aufgenommen werden, dass die Schülerin oder der Schüler an einer zusätzlichen LRS
-Fördermaßnahme teilgenommen hat. ….
Besondere Schwierigkeiten im Rechtschreiben allein sind kein Grund, einer Schülerin
oder einem Schüler für den Übergang in die Realschule oder das Gymnasium bei sonst angemessener Gesamtleistung als nicht geeignet zu beurteilen.“
Der LRS-Erlass ermöglicht demnach keine Freistellung von der Benotung im Zeugnis,
empfiehlt aber wie o.g. eine zurückhaltende Gewichtung der Rechtschreibung.
3. Zielgruppen
Zielgruppe sind alle Kinder unserer Schule, bei denen eine LRS festgestellt wurde.
Aus der Erfahrung befinden sich in jeder Klasse in der Regel nur einige wenige Schüler, auf die die in der Ausgangslage beschriebene Problematik zutrifft.
Ermittlung der Zielgruppe
Bereits beim Schulspiel sowie bei der in den ersten Wochen stattfindenden
Schuleingangsdiagnostik und der Beobachtung durch die Klassenlehrerin werden Auffälligkeiten in den hier relevanten Bereichen visuelle und auditive Wahrnehmung,
Merkfähigkeit, Konzentration und Fertigkeiten der phonologischen Bewusstheit festgestellt. Diese Kinder nehmen an einem speziellen Verfahren (Münsteraner
Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten) zur vertiefen-den Diagnostik teil.
Um die Entwicklung der Rechtschreibfähigkeit in den weiteren Schuljahren im Blick zu
behalten, wird in regelmäßigen Abständen ein standardisierter Test (Hamburger Schreibprobe) durchgeführt. An diesem Test nehmen alle rechtschreibschwachen Kinder eines Jahrgangs teil.
Liegen die Werte des Münsteraner Sreenings im Risikobereich und/ oder sind die
T-Werte der HSP < 40, findet ein Gespräch mit den Eltern statt, in dem weitere Maßnahmen beraten werden.
4. Inhalte
Um betroffenen Kindern ein möglichst breites Hilfsangebot und eine optimale
Förderung zukommen zu lassen, ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Eltern, Lehrern, Fachärzten (z. B. Phoniatrie, Pädaudiologie), Psychologen (z. B.
Schulpsychologische Beratungsstellen) und Therapeuten (Ergotherapie, Sprachtherapie, Psychomotorik) wünschenswert.
Von schulischer Seite ergibt sich aus der Analyse aller Informationen ein recht
detailliertes Bild über die Beeinträchtigungen und somit zu fördernden Bereiche in der Schuleingangsphase hinsichtlich der
• Umsetzung von Lautzeichen in die richtige Reihenfolge von Schriftzeichen (phonologisches Bewusstsein)
• Handmotorik • visuellen Wahrnehmung • Lautunterscheidungsfähigkeit • Konzentration • psychischen Belastbarkeit • Merk- und Speicherfähigkeit
Ab Klasse 2 wird ein sog. Fehlerprofil erstellt, d. h. man findet über die freien Texte
der Kinder heraus, wo die Fehlerschwerpunkte liegen, z.B.
• werden seltene Buchstaben wie z.B. qu noch nicht beherrscht (kwietscht statt quietscht)
• wird eine falsche Graphem-Auswahl getroffen (Prei statt Brei, schlümm statt schlimm) • werden Laute vergessen oder an der falschen Stelle im Wort hingeschrieben (Wurt
statt Wurst, Fabirk statt Fabrik) • werden ch und sch noch verwechselt (Fich statt Fisch) • sind spezielle Laut- und Buchstabenverbindungen wie auch Fremdwörter noch nicht
hinreichend abgespeichert (foll statt voll, Schpiel statt Spiel, Teater statt Theater) • wird der lange „i“-Laut noch nicht als „ie“ geschrieben (siben statt sieben, dise
statt diese) • sind Wörter mit „ih“, „ieh“ oder „i“ noch nicht hinreichend abgespeichert (ihr, sieht, Tiger)
• wird die Konsonantenverdoppelung noch nicht beherrscht (Bal statt Ball, komt statt kommt) • werden Wörter nicht in Wortbausteine zerlegt (Fahrad statt Fahrrad)
• sind geläufige Vor- und Nachsilben noch nicht verinnerlicht (Ferbot statt Verbot, lustisch statt lustig)
• wird die konsonantische Ableitung noch nicht angewendet (runt statt rund, hept statt hebt) • wird die vokalische Ableitung noch nicht angewendet (Menner statt Männer, Bäute
statt Beute) • wird die Groß- und Kleinschreibung noch nicht hinreichend beherrscht (ein Großer Ball, das Mag ich nicht)
Die Maßnahmen zur Förderung rechtschreibschwacher Kinder unterscheiden sich
insofern vom regulären Rechtschreibunterricht,
• als dass sich ausschließlich auf die konkreten Lerndefizite des Kindes konzentriert wird,
• eine Differenzierung nach Menge und Schwierigkeitsgrad beim Üben stattfindet, •dem rechtschreibschwachen Kind rasch Lernfortschritte ermöglicht und sichtbar
gemacht werden, die wiederum seine Lernmotivation fördern. • Außerdem ist ein kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Schule und
Elternhaus wichtig, um auch das häusliche Üben zielgerichtet abzustimmen und Eltern in den Prozess miteinzubeziehen.
Zentrale Übungen sind je nach Klassenstufe
• Übungen zur phonologischen Bewusstheit (Reime, Silbenklatschen usw.)
• Übungen zur Lautidentifikation: Zuordnung von Buchstabe und Bild mit der Anlauttabelle • Übungen zum Anlaut: Korrektur falscher Lautmuster durch Anlaute hören und nieder
-schreiben, Abhören von Anfangs- und Endlauten mit Bildkarten, Bestimmung eines Lautes im Wortklangbild • Sprechzeichnen, Unterstützung durch Lautgebärden
• Unterstützung beim Freien Schreiben mit der Anlauttabelle zur Einsicht in das Funktionsprinzip der Buchstabenschrift, Dehnungssprechen
• Verschriftung von Wörtern durch Papier und Stift, am Computer, mit Holzbuchstaben Nudelsuppe, Russisch Brot, Knetbuchstaben, Stempeln
• Wortverwandlungen (Wörter „verzaubern“, Arbeit mit Streifenschiebern) • Wortaufbau- und abbauübungen • Lautdifferenzierung: Zuordnung verschiedener Zeichen zu einem Laut,
Unterscheidung kurz- und lang gesprochener Laute • Schreibübungen, die zu einer formklaren, bewegungsrichtigen und zügigen Handschrift führen
• Training auf der Signalgruppen- und Morphemebene (and: Hand, Sand, Land, Rand...) • Einüben von Abschreibtechniken (lesen, merken, schreiben, kontrollieren) • Arbeiten mit dem Wörterbuch
• Anlegen einer Wörterkartei • gezieltes Training von Lernwörtern • Sprachforscheraufgaben (Entdecken von Rechtschreibmustern und Regeln)
• Methoden zum Schreiben von Wörtern durch Ableiten, Nachfragen, Computer -korrektur oder Nachschlagen üben
5. Materialien
• Anlauttabelle • Lautgebärdenbilder • diverse Materialien zur Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
• computergestützte Lernprogramme (Traeger: LRS-Hilfe, ADSTrainer, UniwortPro; Cesar Software: Cesar Lesen, Cesar Schreiben; Lernwerkstatt: Anlauttabelle,
Anlautwörter, Buchstaben unterscheiden, Wörter verwandeln, Suchsel, Lückentext) • Lük-Kästen • Logico • Paletti • Stöpselkarten
• Hören-Lauschen-Lernen (Würzburger Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit) • MÜT Münsteraner Trainingsprogramm • Leichter lesen und schreiben lernen mit der Hexe Susi
• Materialien auf Signalgruppen- und Morphemebene
6. Stundenplan / Zeiteinsatz
In erster Linie findet die Rechtschreibförderung innerhalb des regulären
Deutschunterrichts statt. Je nach personellen Ressourcen findet vor allem während der Schuleingangsphase durch Team-Teaching auch eine Kleingruppenförderung statt
. In der dritten und vierten Klasse wird ebenfalls über die Stundentafel hinaus eine zusätzliche Förderstunde für rechtschreibschwache Kinder ange-strebt, die
allerdings im Rahmen des Lehrerstundenkontingents nicht immer gewährleistet werden kann.
7. Personal
Die Förderung der rechtschreibschwachen Kinder teilen sich je nach Klassensituation
die Klassenlehrerin zusammen mit der Sozialpädagogin, der Sonderpädagogin sowie evtl. weiterer Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung Deutsch. An der Herseler-Werth
-Schule existiert zudem ein Förderteam für den Bereich Sprache, das die Klassenlehrerin bei der Diagnostik und Förderung im Bereich LRS unterstützt.
8. Zielsetzung
Mit den oben beschriebenen Maßnahmen soll erreicht werden, dass Defizite im
Erwerb der Lese-Rechtschreibfähigkeiten so weit behoben werden, dass ein Kind die Kompetenzerwartungen der Richtlinien und Lehrpläne so weit wie möglich erfüllt.
Darüber hinaus soll das Kind in seinem Selbstwertgefühl gestärkt werden, um zu verhindern, dass sich die Problematik seiner Lese-Rechtschreibschwäche auf andere
Lern- und Entwicklungsbereiche negativ auswirkt.
9. Fortbildung
Da im Bereich der Aneignung von Rechtschreibung immer wieder neue Erkenntnisse
und For-schungsberichte veröffentlicht werden, nehmen die Lehrkräfte der Herseler-Werth-Schule regelmä-ßig an entsprechenden Fortbildungen teil.
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