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Begabtenförderung

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Konzept Begabtenförderung

 

1. Ausgangslage und Zielgruppe
2. Forderungen aus den Richtlinien
3. Ziele der Begabtenförderung
4. Umsetzung
5. Inhalte
6. Stundenplan und Personal
7. Förderumgebung und Material
8. Kooperationspartner
9. Fortbildung

 

1. Ausgangslage und Zielgruppe

Begabungen entwickeln sich durch dynamische Wechselbeziehungen zwischen individuellen Begabungsanlagen und dem fördernden oder hemmenden Einfluss von nicht-kognitiven Persönlichkeitsmerkmalen (z.B. der Sozial- oder Selbstkompetenz) und Umweltmerkmalen (z.B. Eltern, Freunde, Schule) und können in diesem Prozess durch pädagogisches Handeln unterstützt werden. So können etwa Fördermaßnahmen positiv die generelle Leistungsmotivation des Kindes und den Erwerb von Lernstrategien beeinflussen.

Schema Begabtenförderung

Abb. 1: Das Münchner (Hoch-)Begabungsmodell (Heller, 2007)

Entscheidendes Kriterium für eine Begabung oder Hochbegabung ist eine hohe Ausprägung der Intelligenz. Der Entwicklungsstand dieser Kinder ist in einem oder mehreren Bereichen den Gleichaltrigen deutlich voraus. In Anlehnung an die Normalverteilung ergibt sich, dass etwa 15% der Bevölkerung eine überdurchschnittliche Intelligenz (IQ größer als 115) aufweisen und ewa 2,5% eine Intelligenz auf Hochbegabtenniveau (IQ größer als 130) zeigen.

Normalverteilung

Begabte bzw. hochbegabte Kinder fallen in der Regel schon kurz nach Schuleintritt auf. Diese Kinder können oft schon lesen und bereits in größeren Zahlenräumen ohne Hilfsmittel rechnen. Sie zeichnen sich ferner durch schnelle Automatisierung der Informationsverarbeitung aus. Dadurch wird ihr Denken entlastet, und es steht ihnen mehr Kapazität für neuartige und schwierige Probleme zur Verfügung. Um das subjektive Urteilsvermögen zu unterstützen, gibt es Checklisten für hochbegabte Kinder, z.B. die Checkliste aus der Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (2005). Daneben gelten vor allem Intelligenztests (z.B. CFT 1, CFT 20, K-ABC) in der Hochbegabungsdiagnostik als notwendige Identifizierungsverfahren.

2. Forderungen aus den Richtlinien

Die Richtlinien fordern „....die Förderung von besonderen Begabungen und Neigungen“ (vgl. Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule, 2008) und zwar als individuelle Förderung sowohl der leistungsstarken, als auch der leistungsschwachen Kinder. Jeder Unterricht sollte Förderunterricht sein und somit dazu beitragen, „dass sowohl Lernschwächere als auch Lernstärkere in ihrer Entwicklung zielgerichtet unterstützt werden“ (vgl. s.o.).

3. Ziele der Begabtenförderung

In der schulischen Förderung von begabten Kindern steht die ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit im Vordergrund:

- Förderung der besonderen Fähigkeiten
- Entwicklung der Selbst-, Sozial- und Sachkompetenz
- Eigenständige Bearbeitung von ausgewählten Themen oder Projekten
- Lern- und Arbeitstechniken
- Arbeitsplanung (Ziele setzen und Zeit einteilen)
- Reflexion über und Resultate der eigenen Arbeit
- Fördern der Eigeninitiative, Erhalt der Lernmotivation, Unterstützung der   Leistungsbereitschaft

Eine Differenzierung in Bezug auf die Förderung begabter und hochbegabter Kinder kann sowohl ein schnelleres Lerntempo, als auch eine den Lernstoff vertiefende Bearbeitung sein. Desweiteren können auch über den Lehrplan hinausgehende Themen angegangen werden.

Diese Schüler brauchen „neben der Informationsvermittlung systematisch aufgebaute Lernstrategien, mit denen sie ihre Lernkompetenz verbessern und auf Dauer ihre Lernprozesse selbst steuern können“ (vgl. Friedrich und Mandl, 2006).

4. Umsetzung

Fördermaßnahmen für begabte Kinder können in unterschiedlichen Organisationsformen durchgeführt werden.

Innere Differenzierung

Innere Differenzierung meint alle Maßnahmen, die innerhalb einer Klasse dazu beitragen, den unterschiedlichen Fähigkeiten, Interessen und Lernbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler zu entsprechen und ihre Lernprozesse in optimaler Weise zu unterstützen, z.B:

- Werkstattunterricht
- Wochenplanunterricht
- Projektunterricht
- Teilnahme an Wettbewerben.

Äußere Differenzierung

Äußere Differenzierung meint alle Maßnahmen, die außerhalb der Klasse dazu beitragen, den unterschiedlichen Fähigkeiten, Interessen und Lernbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler zu entsprechen und ihre Lernprozesse in optimaler Weise zu unterstützen, z.B:

- Projektwoche
- Förderband
- Einzelförderung
- gruppenweise Forderunterricht.

Äußere Differenzierung kann aber auch eine frühzeitige Einschulung oder den verkürzten Aufenthalt in der Schuleingangsphase bzw. das Überspingen in eine höhere Klassenstufe bedeuten.

Nicht alle Kinder mit besonderer Begabung sind auf spezielle Maßnahmen angewiesen , sondern die meisten von ihnen sind in ihren Klassenverbänden gut integriert und weisen eine harmonische Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung auf.

5. Inhalte

- Forderung im mündlichen und schriftsprachlichen Bereich
- Leseforderung (Lesewettbewerb)
- Forderung von Fertigkeiten im Bereich Mathematik (z.B. Knobelaufgaben,   Mathematikwettbewerb, s. auch Punkt 4)
- Forderung besonderer musischer und ästhetisch-kreativer Fähigkeiten und   Fertigkeiten

6. Stundenplan und Personal

Je nach Grad der Begabung schwankt die individuelle Förderzeit zwischen einer und mehreren Stunden pro Woche. Die Förderung vollzieht sich sowohl während des Regelunterrichts als auch in zusätzlichen außerunterrichtlichen Maßnahmen. Die zeitliche Dauer erstreckt sich in der Regel über das ganze Schuljahr hinweg.
Die Förderung der begabten Kinder obliegt allen Lehrkräften. Bei der Feststellung des Begabungsgrades werden die Klassenlehrerinnen von der Sonderpädagogin und der Sozialpädagogin unterstützt.

7. Förderumgebung und Materialien

Erfordert eine spezifische Fordermaßnahme ein spezielles Medium, z.B. Computer, so wird die Fordermaßnahme nicht im Klassenraum durchgeführt, sondern erfordert einen Lernortwechsel, z.B. Computerraum oder Gruppenraum.

Andere Fordermaßnahmen werden innerhalb des Klassenverbandes durchgeführt (innere Differenzierung), indem die Kinder mit speziell für sie zusammengestellten Materialien selbstständig arbeiten.

Es sind Materialien vorhanden, die über die Anforderungen, die an die Mitschüler gestellt werden, hinaus gehen.

Im mathematischen Bereich z.B.

- Knobelboxen
- Mathepirat
- Mathe für kleine Asse
- Knobeln mit Einstein
- Denksportaufgaben aus dem Alltag Klasse 1 und 2 und Klasse 3 und 4
- Mathestars, Knobel- und Sachaufgaben
- Matheass
- Sudoku
- Aufgaben aus dem Mathematikwettbewerb
- usw.

In den Bereichen Deutsch und Sachunterricht ergibt sich eine Differenzierung nach oben oftmals dadurch, dass einzelne Schülerinnen und Schüler

- sich umfangreichere Texte erschließen
- sich zusätzliche Informationen erarbeiten (Sachbücher, Internet, Lexika)
- Referate erstellen
- den Unterrichtsstoff in vertiefender Weise bearbeiten
- Bücher in Antolin bearbeiten
- im Programm „Lernwerkstatt“ auf einem höheren Niveau arbeiten
- usw.

Unabhängig von den einzelnen Fachbereichen, wird der Erwerb von Lernstrategien als vordringliches Lernziel angesehen.

8. Kooperationspartner

Um schon frühzeitig begabte und hochbegabte Kinder zu erkennen, arbeitet die Herseler-Werth-Schule eng mit den umliegenden Kindergärten zusammen. Mit den Eltern der Kinder, die im Schuleingangstest durch besondere Begabungen auffallen, sucht die Schulleitung das Gespräch, um den Kindern so bald wie möglich eine umfassende Förderung zu ermöglichen. Die Leitung des Kindergartens „Lummerland“ in Bornheim-Roisdorf hat sich besonders mit Hochbegabung auseinandergesetzt und steht Lehrern wie Eltern bei Beratungsbedarf zur Verfügung.

Weitere mögliche Kooperationspartner zur Förderung begabter und hochbegabter Kinder sind z.B.

- Kinderuni Bonn
- Fachhochschule Remagen
- Sparkasse Bonn
- Christopherus-Schule in Bad Honnef
- Kinderakademie

Zu diesen Kooperationspartnern geben wir Hinweise an die Eltern, da mögliche Veranstaltungstermine häufig nachmittags, an Wochenenden oder in den Ferien liegen.

9. Fortbildung

Es ist angedacht, dass das Fortbildungsteam der Herseler-Werth-Schule in naher Zukunft mit dem Landeskompetenzzentrum für individuelle Förderung (LIF) der Universität Münster Kontakt aufnehmen wird, um sich mögliche Referenten für künftige Fortbildungsveranstaltungen nennen zu lassen.