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Andreas Nakic
a.nakic (ad) netcolgne.de
Gewaltmanagement in Schule und Jugendhilfe Anti-Gewalt-/ und Deeskalationstrainings
Selbstbehauptung und Konflikttraining für Jungen
In diesem Projekt wird sich dem Thema Gewalt mit zwei Fragestellungen genähert.
1. "Wie komme ich mit anderen besser aus, um Streit zu vermeiden?"
2. "Wie kann ich mich verhalten, wenn ich mich tatsächlich bedroht fühle?"
Zu 1.: Mit den auf der folgenden Seite beschriebenen Methoden des Team- und Kooperationstrainings sollen den Jungen die Grundlagen der konstruktiven Konfliktbewältigung nahe
gebracht und soziales Handeln eingeübt werden.
Zu 2.: Durch eine Einführung in die Techniken der Selbstverteidigung soll den Jungen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen im Umgang mit bedrohlichen Situationen vermittelt
werden. Neben dem Erlernen einfacher Abwehrtechniken spielt das Erscheinungsbild eine wichtige Rolle. Mit Übungen zur Körperhaltung, dem richtigen Stand, Blickkontakt, Stimme und Atmung soll ein
selbstbewusstes aber nicht aggressives Verhalten eingeübt werden.
Diese beiden Bereiche werden durch eine gemeinsame Betrachtung von Konflikt- und Bedrohungssituationen zusammengeführt. Für viele Jungen sind solche Situationen eine alltägliche
Realität. Neben angemessenen Verhaltensweisen wird hier insbesondere die männliche Identität im Zusammenhang mit gewalttätigem Verhalten thematisiert. Darüber hinaus haben die Jungen die Möglichkeit über
ihre eigenen Gewalterfahrungen zu sprechen. Diese werden oft als ohnmächtig und demütigend erfahren.
Die Erkenntnis, dass auch Jungen hilflos sein können ohne in ihrer geschlechtlichen Identität versagt zu haben ist für viele Jungen leider immer noch neu. Entsprechend ist das Ziel
des gesamten Projekts die Jungen bei der Entwicklung ihrer männlichen Identität in der gesamten Bandbreite zwischen Selbstsicherheit, Fürsorglichkeit und auch Verletzlichkeit zu unterstützen.
Team und Kooperationstraining für Jungen
In einem altersgerechten Abenteuerspiel sieht sich die Gruppe mit einer unerwarteten Aufgabe konfrontieren, zu deren Bewältigung sie alle positiven Gruppenverhaltensweisen aktivieren
muss. Problemstellungen müssen gemeinsam betrachtet, diskutiert und das weitere Vorgehen entschieden werden. Das Ergebnis der Auseinandersetzung sollte eine für alle Teilnehmer zufrieden stellende Lösung
sein.
Das Projekt ist so aufgebaut, dass die zu bewältigenden Aufgaben nicht als negativ belastete Probleme, sondern als spannende Herausforderungen erlebt werden. Alle Konflikte, die
während der Aufgabe innerhalb der Gruppe auftreten, werden an diese zurückgegeben. Die Teammitglieder müssen sich jetzt tatsächlich mit diesen auseinandersetzen, wenn sie gemeinsam erfolgreich sein
wollen. Häufig anzutreffende Verhaltensmuster von Jungen wie überzogene Selbstdarstellung, Rücksichtslosigkeit und gegenseitige Kränkungen führen zu unnötigen Streitereien und somit zur Schwächung der
Gruppe.
Ein guter Teamspieler zeichnet sich durch Überblick, Einfühlungsvermögen, Fürsorglichkeit, Rücksicht, Kreativität, die Bereitschaft Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen und sich
in deren Interesse selber zurück zunehmen, aus. Diese Fähigkeiten werden in diesem Projekt gefördert und eindeutig positiv besetzt.
Neben konstruktiven Formen der Konfliktbewältigung können Jungen auch das Gefühl des gemeinsamen Erfolgs erleben und somit die positiven Folgen solidarischen Handelns in der Praxis
erfahren.
Wie ist das Projekt aufgebaut?
Es ist als erlebnispädagogisches Abenteuerspiel mit aufeinander aufbauenden Einheiten konzipiert.
Einführung in das Teamtraining: Die Gruppe erarbeitet sinnvolle Verhaltensregeln für ein erfolgreiches gemeinschaftliches Handeln.
- Erlebnispädagogische Kooperationsspiele; - Partnerübungen zur Förderung von Vertrauen und Selbstwahrnehmung; - Kommunikationstraining;
- Kommunikations- und Kooperationstraining mit Stresssimulation.
Warum ist Kooperations- und Teamtraining gerade für Jungen wichtig?
Traditionelle männliche Ideale, wie individuelles Durchsetzungsvermögen und Härte, sowie die daraus resultierenden Handlungsmuster, bieten Jungen im modernen gesellschaftlichen Alltag
nur wenig Hilfe. In den zentralen Bereichen des Lebens wie Beziehungen, Ausbildung und Beruf sind partnerschaftlicher Umgang sowie Team- und Kooperationsfähigkeit die Voraussetzung für eine erfolgreiche
Lebensbewältigung. Von daher ist die Förderung von sozialer und emotionaler Kompetenz wichtiger Bestandteil der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Jungen.
Das Projekt wurde im Jahr 2002 vom Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein – Westfalen und der Universität Dortmund als Beispiel für
Innovation in der Jugendarbeit ausgewählt und in der Schriftreihe: „Jugendhilfe NRW Heft 1 – Innovation in der Kinder- und Jugendarbeit“ veröffentlicht.
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