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Liebe Redaktion,

mit großem Interesse habe ich das erste Mal den Rheinblick durchstöbert. Ich bin die Mutter von Tom, einem Integrationskind mit Förderschwerpunkt geistiger Entwicklung, der die erste Klasse besucht.
Es war ein langer, steiniger Weg, Tom hierhin geben zu dürfen. Es gibt nämlich keine Wahl, wohin ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf hinkommt, sondern das Schulamt entscheidet. Unser Sohn hat den Integrationsplatz auf Probe. Wer kann sich vorstellen, was das für einen Druck für die gesamte Familie bedeutet? Wahrscheinlich werden wir kurz vor Weihnachten vom Schulamt Bescheid bekommen, ob Tom bleiben darf. Für uns war von Anfang an klar, dass die Schule hier viel leisten muss, damit die Integration funktionieren kann. Und wir sind sehr dankbar, dass Herr Rauh sich dieser Aufgabe stellt und das gesamte Lehrerteam. Den richtigen Weg zu finden, um diese Kinder zu integrieren, damit sie in der Gemeinschaft klarkommen, ist ein besonderer Auftrag an die Schule, die das leisten will.
Wir als Eltern müssen an die Zukunft unserer beiden Kinder denken, und für uns stellt sich nun wieder die Frage, ob Toms Zwillingsbruder nach Hersel wechseln soll oder ob es ein zu großes Wagnis wäre, wenn Tom gehen müsste und sein Bruder dann wieder allein dastehen würde. Für uns gibt es, sollte Tom die 4 Jahre in Hersel bestehen, auch keine Wahl, wo er dann hin muss. Deshalb sind wir jetzt schon dabei, mit Alfter (neue Gesamtschule) und der Europaschule in Bornheim in Kontakt zu treten, um auch hier über den Gemeinsamen Unterricht zu sprechen. Bisher kam bei unseren Recherchen immer die Antwort, da hat noch nie einer nachgefragt. Wie auch, da ja bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf der Schulweg schon vorweggenommen wird.
Also, wenn Sie die Möglichkeit haben, die Eltern von Betroffenen anzusprechen und ihnen zu sagen, dass sie sich an mich wenden können, wäre das schön.
Ein prima Beitrag übrigens von Anja Henkel, die offensichtlich in JEDEM Kind einen besonderen Menschen sieht. Danke, denn davon können wir als Eltern von Tom lange Kraft schöpfen.

Mit freundlichen Grüßen,
Cordula Müller   
8. November 2007

(Erschienen im Elterninfo “Rheinblick”, Ausgabe April 2009)

Tom wurde nach Ablauf der Probezeit regulär in den GU aufgenommen. Sein Bruder Jens besucht inzwischen auch die Herseler-Werth-Schule.

 

Nachwort  (im Rheinblick, Ausgabe April 2009)
von Dagmar Schruf und Christiane Kaspari

Während unserer Recherche zum Thema Integration stellten wir fest, wie wenig wir von diesem Thema generell wussten, wie wenig aber auch darüber, wie Gemeinsamer Unterricht an unserer Schule stattfindet. Wir haben uns sehr gefreut, so offen und ausführlich Auskunft zu diesem Thema zu bekommen. Um zu unterstreichen, dass wir der Ansicht sind, möglichst viele Schulen sollten dem Beispiel unserer Schule folgen, damit allen Kindern eine geeignete Förderung in ihrem sozialen Umfeld zuteil wird, zitieren wir an dieser Stelle die „Salamanca-Erklärung“ der UNESCO:

„Die Erfahrung vieler Länder zeigt, dass die Integration von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen am besten in Schulen gelingt, die für alle Kinder einer Gemeinde da sind. Unter solchen Bedingungen können Kinder mit besonderen Bedürfnissen die besten Lernfortschritte und die vollste soziale Integration erreichen. Integrative Schulen stellen günstige Bedingungen für gemeinsames Lernen und echtes Miteinander dar. Ihr Erfolg erfordert allerdings gemeinsame Anstrengungen, nicht nur von Lehrern, Lehrerinnen und Schulpersonal, sondern auch von Kindern, Eltern, Familien und Freiwilligen. Die Reform sozialer Institutionen ist keine rein technische Aufgabe; sie hängt vor allem von der Überzeugung, dem Engagement und dem guten Willen all jener ab, die die Gesellschaft ausmachen.“
(UNESCO: Salamanca, Spanien, 7.-10. Juni 1994)

Wir können uns vorstellen, dass es für Eltern von Kindern mit Förderbedarf nicht immer leicht ist, offen über dieses Thema zu sprechen. Dennoch würden wir uns sehr freuen, wenn diese Rheinblick-Ausgabe Reaktionen hervorruft und Sie dazu anregt, uns Ihre Erfahrungen oder Meinung zu schreiben.