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Impressionen aus Campoy

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Der folgende Artikel wurde von Prof. Peter Busmann für das Jahrbuch der Villa Massimo geschrieben.

Ich möchte an dieser Stelle von einem Projekt aus der sogenannten „3. Welt" berichten, das mit unseren Maßstäben von Architektur nicht gemessen werden kann. Es wird mit den denkbar einfachsten Methoden und mit äußerst geringem finanziellen Einsatz durchgeführt, Es gibt überhaupt keinen Menschen, der von sich allein sagen könnte, er sei allein der Architekt dieses Werks; denn viele Menschen, zu denen ich auch gehöre, haben dieses Werk gleichermaßen geschaffen. Campoy ist der Gestalt gewordene Wille eines Kollektivs, eines langen Prozesses aus Leiden, Träumen, realen Bedürfnissen und Zwängen des Lebens, Forderungen und Protesten von Menschen, die in unserer Welt-Werte-Skala ganz unten rangieren.

Campoy liegt soweit östlich der Riesenstadt Lima in Peru, dass die Behausungen schon anfangen, die Ausläufer der Anden empor zu klettern. Soweit das Auge blickt nur Geröll, Erde, unverputzte Rohbauwände und Staub.

Ein solcher „Barrio" ist die Heimat von Anna Maria Ledesma. Sie und ihr aus Düren stammender Mann Franz Ecker waren einige Tage bei meiner Frau und mir zu Gast im Atelier 5 der Villa Massimo. Die Beiden hatten sich Anfang der 70er Jahre als junge Pädagogen in Rom kennen gelernt und ihre Berufsarbeit in Lima aufgenommen, voller Kritik, ja Entsetzen über die dortigen sozialen Einrichtungen, welche vor allem den Kindern der armen Bevölkerungsschichten so gut wie keine geregelte Schulbildung ermöglichen. Überzeugt davon, dass der Weg aus dem Elend in eine menschenwürdige Daseinsbewältigung nur durch Solidarität der Betroffenen und mit einer angemessenen Ausbildung führt, ergriffen sie die Initiative und gründeten zusammen mit ihren peruanischen und deutschen Freunden, und vor allem einem Kreis von betroffenen Eltern, den Verein „Solidaridad Peru Alemania" in der 3. Etappe von Campoy im Distrikt San Juan de Lurigancho-Lima.

San Juan de Lurigancho ist für sich allein schon eine Großstadt mit 1. Mio. Einwohner und fast ohne jede geordnete Infrastruktur.

Mittlerweile umfasst das Bildungswerk, welches sich dezentral in Campoy entwickelt, einen Kindergarten (z. Z. 140 Kinder), die Primarschule (ca. 500 Kinder) und seit April 1988 auch eine Sekundarschule, in der regelrechte handwerkliche Ausbildung vermittelt wird. All dies entstand ohne Inanspruchnahme der sogenannten Entwicklungshilfe, ohne deren Auflagen und einschränkende bürokratische Verfahrensweisen.

Die baulichen Investitionen, der Unterhalt der Anlagen und die Gehälter von Schulleitungen und Hausmeisterfamilien wurden und werden einzig durch Beiträge der Betroffenen und Spenden aus dem mittlerweile großen Kreis von Förderern bestritten. Die Gehälter der Lehrer bezahlt der Staat.

Ich lernte das Projekt noch in der Konzeptionsphase kennen, als Franz Ecker in Deutschland mit Vorträgen um Unterstützung für das Bildungswerk warb und gehöre seitdem zu dem großen solidarisch handelnden Kreis von Menschen, der dieses Projekt ermöglicht.

Mein erster Besuch in Campoy im Februar 1986 bestätigte anschaulich, dass auf dem Weg über funktionierende Bildungseinrichtungen und damit über die Kinder, Jugendlichen und Eltern ein das gesamte soziale und urbane Umfeld heilender Prozess in Gang gesetzt werden kann.

Beim zweiten Besuch im Januar 1989 erlebt ich eine deutlich verbesserte Infrastruktur des gesamten Stallteils, die ausschließlich aufgrund von Absprachen, Beiträgen und Eigenleistungen der Bewohner (speziell: Eltern, genauer: Müttern) in Campoy zustande gekommen war. Grundlage dieser Entwicklung (die diesen Namen wirklich verdient) ist die Orientierung an der Arbeit der „Solidaridad".

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